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Leseprobe Personalrat 10_2016

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titelthema gewalt gegen beschäftigte Der Personalrat 11 | 2016 Gegen Übergrife am Arbeitsplatz behÖrden Sie werden beleidigt, angepöbelt, bespuckt, tätlich angegrif en. Beschäftigte im öf entlichen Dienst sind immer öfter Gewalt ausgesetzt. Was tun? Personalräte suchen nach Antworten. VON MICHAELA BÖHM 8

Der Personalrat 11 | 2016 gewalt gegen beschäftigte titelthema Ein Jobcenter in einer Großstadt mitten in Deutschland. Am Empfang versperrt ein Sicherheitsmann den Durchgang. Brummig zeigt er dem Besucher den Weg zur Warteschlange. Einen anderen, der sich vordrängeln will, weist er rüde zurecht. Freundlich wirkt das nicht. Hat es ein Kunde ins richtige Stockwerk geschaft, muss er auf dem Flur wieder warten, bis ihn die Sachbearbeiterin holt. Allein soll kein Kunde mehr über den Flur laufen. Zu gefährlich. Der Schreibtisch einer Leistungssachbearbeiterin ist frei von Wurfgeschossen. Die Schere in der Schublade versteckt, Locher, Tacker und Hefter sind außer Sichtweite platziert. Damit kein wütender Kunde nach einem Gegenstand greifen und gegen sie schmettern kann. Brenzlige Situationen gab es schon genug. Eine ehemalige Leistungssachbearbeiterin erzählt, wie ein Kunde durch die Tür in ihr Büro stürmte, sie in die Ecke drängte und ihr seine Faust vors Gesicht hielt. Wie ein anderer ihr den Ausgang versperrte. Oder einer drohte, ihr seinen Schwager auf den Hals zu hetzen, sobald der aus dem Knast frei käme, um sie dann mal richtig durchzuf… Sie habe Verständnis, sagt sie rückblickend, wenn Kunden mitunter laut würden. Doch Gewalt sei nicht zu dulden. darum geht es 1. Aggression und Gewalt gegen Beschäftigte im öfentlichen Dienst haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. 2. Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten können helfen, lösen das Problem aber letztlich nicht. 3. Oft hängt Aggression mit den Hartz-IV-Gesetzen und dem allgegenwärtigen Personalmangel im öfentlichen Dienst zusammen, der Beschäftigten keine Zeit zu angemessener Bearbeitung lässt. Gewalt hat viele Formen Gewalt ist nicht nur der tätliche Angrif. Gewalt sind auch Brüllattacken, Beschimpfungen, Beleidigungen, Drohungen, Erniedrigungen. Die Menschen, die arbeitslos und auf Hartz IV angewiesen sind, nennt das Jobcenter Kunden. Meist sind es Männer, die ausfallend gegenüber weiblichen Beschäftigten werden und ihrem Frust über die Leistungskürzung Luft machen, indem sie ihr Gegenüber auf ihr Geschlecht reduzieren und niedermachen. Eine Befragung, die die Gesetzliche Unfallversicherung vor ein paar Jahren durchführte, brachte zutage, dass ein Viertel der Beschäftigten in den Jobcentern bereits einmal Opfer eines Übergrifs geworden ist. Verbale Attacken gehören für viele zum Alltag. Im Kopf nisten sich besonders die dramatischen Vorfälle ein. Und die machen Angst: 2012 erstach ein Familienvater in Neuss eine 32-jährige Sachbearbeiterin. 2014 tötete ein junger Mann einen Sachverständigen im Jobcenter in Rothenburg ob der Tauber mit dem 9

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