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Leseprobe Gute Arbeit 7-8_2016

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titelthema handwerk sicher und gesund Gute Arbeit 7-8 | 2016 Die Last mit der Last arbeitsschutz Schweres Heben und Tragen kann die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen. Der Arbeitgeber muss deshalb geeignete Präventionsmaßnahmen einleiten. Doch wie und in welchen Fällen? Eine Verordnung regelt wichtige Fragen. VON DIRK DITCHEN Die Arbeitswelt als Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens ist selbstverständlich kein rechtsfreier Raum und die entsprechenden rechtlichen Grundlagen finden sich bereits in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Das allgemeine Recht auf körperliche Unversehrtheit ist im Grundgesetz (Artikel 2) garantiert. Gesetze liefern in der Regel nur eine allgemeine rechtliche Grundlage, die durch Verordnungen, Vorschriften oder Regeln präzisiert und konkretisiert werden. Für Arbeitsprozesse gilt hier insbesondere das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Es setzt EU-Richtlinien zum Arbeitsschutz in nationales Recht um und beschreibt u.a. die Vorschrift für Arbeitgeber zur Durchführung einer geeigneten Gefährdungsbeurteilung, dem Angebot einer arbeitsmedizinischen Vorsorge, oder der Vorbereitung von Notfallmaßnahmen. Das Arbeitsschutzgesetz ist für die Bundesregierung die gesetzliche Grundlage zum Erdarum geht es 1. Körperlich schwere und belastende Arbeit ist in vielen Branchen verbreitet, eine hohe Zahl von Muskel-Skelett- Erkrankungen geht darauf zurück. 2. Die Lastenhandhabungsverordnung zielt darauf ab, Belastungen zu minimieren und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. 3. Wichtig sind die Prävention und geeignete Gefährdungsbeurteilungen. Eine Betriebsvereinbarung hilft, den korrekten Umgang mit Lasten zu regeln. Manuelle Lastenhandhabung stellt ein hohes Risiko für die Entstehung von Beschwerden und Erkrankungen von Rücken und Gelenken dar. Hierauf haben Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und die Knappschaft in der gerade abgeschlossenen Präventionskampagne »Denk an mich, Dein Rücken« hingewiesen. Demnach gehören Heben, Halten, Tragen, Ziehen oder Schieben von Lasten trotz technischer Automatisierung in vielen Branchen weiterhin zum beruflichen Alltag. Um hierbei das Gesundheitsrisiko der Beschäftigten zu minimieren, ist eine zielgerichtete Prävention notwendig. Folgerichtig ist in Deutschland der Umgang mit Lasten am Arbeitsplatz rechtlich geregelt. Trotz der technischen Automatisierung gehört manuelle Lastenhandhabung in vielen Branchen weiterhin zum Alltag. Deshalb ist gezielte Prävention notwendig. Die rechtlichen Grundlagen sind vorhanden. Sie müssen aber auch praktisch umgesetzt werden. Die Rechtslage: Gesetze, Vorschriften, Regeln praxistipp: präVention am arbeitsplatz Muskel- und Skelettkrankheiten (MSE) zählen zu den häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen. Sie gehen in der Regel auf übermäßige körperliche Belastungen zurück. Daher ist Prävention auf diesem Gebiet auch einer von drei Arbeitsschwerpunkten der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) bis 2018. Mit Betriebsbesichtigungen, Beratungen und gesundheitsförderlicher Arbeitsgestaltung sollen MSE eingedämmt werden. Ein Internet- Angebot informiert über die Möglichkeiten und Angebote zur Prävention. Dort ist auch eine Produktdatenbank mit ergonomischen Arbeitshilfen zu finden. Die Suchfunktion erlaubt das Filtern nach Branchen, Zielgruppen und risikobezogenen Tätigkeiten (etwa »Heben und Tragen«). www.gdabewegt. de/GDA_MSE 20

Gute Arbeit 7-8 | 2016 handwerk sicher und gesund titelthema instrumente der GefährdunGsbeurteilunG Je nach Betriebsgröße oder Branche bieten sich verschiedene Methoden zur Gefährdungsbeurteilung an: Es gibt einfache Checklisten (z. B. Checkliste nach DGUV-Information 250-453), detailliertere Verfahren wie die Leitmerkmalmethoden zur Beurteilung von »Heben, Halten, Tragen« bzw. »Ziehen, Schieben« (www.baua. de) sowie umfassende Experten-Verfahren (z. B. EAWS, www.iad.tu-darmstadt.de) bis hin zu messtechnischen Methoden (z. B. CUELA, www.dguv.de/IFA) oder Laborsimulationen (z. B. »Der Dortmunder«, www.ifado.de). Hier empfiehlt sich die Anwendung eines Stufenkonzepts mit mehreren sich ergänzenden und aufeinander abgestimmten Methoden (»Grob-Screening«, »Spezielles Screening«, »Experten-Screening«, »betriebliche Messung«, »Labormessung«), wie es etwa aktuell im Rahmen des von BAuA und DGUV geförderten Forschungsprojekts MEGAPHYS entwickelt wird. Mehr dazu unter www.dguv.de (Webcode d667892). lass von Rechtsverordnungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Hierzu gehört z. B. die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV), deren Ziel es ist, Gesundheitsgefahren bei der manuellen Lastenhandhabung zu minimieren. Die Lastenhandhabungsverordnung Die LasthandhabV zielt in erster Linie darauf ab, hohe körperliche Belastungen durch das Heben, Tragen, Ziehen und Schieben schwerer Lasten zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, ist eine geeignete Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Geeignet heißt: Die Gefährdungsbeurteilung muss die konkrete Tätigkeit und daraus resultierende Belastungen berücksichtigen und auf Grundlage geltender Vorschriften oder Verordnungen umgesetzt werden (s. Kasten S. 22 zum Anhang der LasthandhabV). Wird eine Gefährdung der Gesundheit ermittelt, sind entsprechende Präventionsmaßnahmen zu veranlassen. 1 Grundsätzlich gilt: Bei der Vergabe von Tätigkeiten mit manuellen Lasten muss der Arbeitgeber die körperliche Eignung der Beschäftigten zur Ausführung der Aufgaben berücksichtigen und sie auch regelmäßig unterweisen (geregelt in den §§ 3 und 4 LasthandhabV). Dabei steht die sachgemäße manuelle Handhabung von Lasten im Vordergrund. Rollende Lasten sind besser zu handhaben, aber die gebückte Haltung ist belastend. 1 Vgl. Zeitschrift »Gute Arbeit« 6/2016, Titelthema »Altersmanagement« (S. 8-20): Prävention durch ergonomische Rotation, Hebehilfen etc.). 21

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