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Leseprobe Gute Arbeit 05_2017

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arbeitsschutz und arbeitsgestaltung Datenbrillen im Einsatz Gute Arbeit 5 | 2017 Datenbrillen im Einsatz arBeitsgestaltung Der Einsatz neuer Technologien wie Datenbrillen birgt Chancen wie auch Risiken für die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt aktuelle Erkenntnisse vor. VON JAN TERHOEVEN UND SASCHA WISCHNIEWSKI Darum geht es 1. Datenbrillen können Beschäftige unterstützen, wenn die Technologie zur Aufgabe passt und die Akzeptanz der Beschäftigten gegeben ist. 2. Bestehende Gefährdungsbeurteilungen sind zu aktualisieren, sobald Datenbrillen als neues Arbeitsmittel am Arbeitsplatz eingesetzt werden. 3. Eine optimale Gestaltung für die Beschäftigten hinsichtlich der Kriterien menschengerechter Arbeit ist wichtig. Die Zukunft der Arbeit ist von der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung geprägt. In diesem Kontext wird angenommen, dass die Rolle des Menschen insbesondere im industriellen Sektor vermehrt in der entscheidenden Instanz für überwachende und steuernde Tätigkeiten liegt. Die Aufgaben- und Verantwortungsbereiche für die Beschäftigten werden vielfältiger und erfordern einen hohen Grad an Flexibilität. Bereits heute lässt sich die dabei zunehmende Komplexität vieler Arbeitsaufgaben kaum ohne Hilfsmittel zur Informationsversorgung bewältigen. Dabei nimmt die Menge verfügbarer Daten und Informationen stetig zu. Somit wird es für die Beschäftigten immer schwieriger, die zur Durchführung der Arbeitsaufgaben notwendigen Informationen eigenständig herauszufiltern. Vor diesem Hintergrund rücken digitale Technologien in den Fokus, die das Potenzial haben, Beschäftigte kontextabhängig mit gefilterten, aufgabenrelevanten Informationen am Arbeitsplatz zu versorgen. Eine solch innovative Technologie sind z. B. Datenbrillen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beschäftigt sich im Forschungsschwerpunkt »Innovative Technologien bei Arbeitsmitteln und Arbeitssystemen« seit mehreren Jahren mit dem Thema Datenbrillen und die damit verbundenen Auswirkungen und Herausforderungen. Dieser Beitrag behandelt nach einer Einführung zur Technologie aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zu monokularen Datenbrillen sowie bestehende Herausforderungen für den Gesundheitsschutz beim betrieblichen Einsatz von Datenbrillen in der Arbeitswelt. Technik, Typen, Anwendungsgebiete Datenbrillen sind kleine Anzeigegeräte, welche ähnlich einer Brille unmittelbar vor dem Auge getragen werden und Informationen auf Displays zur Verfügung stellen. Sie bestehen aus der eigentlichen Displayeinheit mit einem Display vor einem oder beiden Augen sowie einer davorliegenden optischen Baugruppe. Diese dient dazu, die direkt vor dem Auge dargestellten digitalen Informationen auf einen nutzerfreundlichen Sehabstand zu bringen. Diese Bildebene liegt in der Regel zwischen einem und zwei Metern vor dem Nutzer. Grundsätzlich werden zwei Typen von Datenbrillen unterschieden: · Monokulare Datenbrillen arbeiten mit einem Display vor nur einem Auge, sodass das zweite Auge frei bleibt. · Binokulare Datenbrillen beinhalten dagegen vor beiden Augen jeweils ein Display, wobei auf jedem Display dieselben Informationen dargestellt und in Blickrichtung überlagert werden. Dies ermöglicht im Gegensatz zu monokularen Modellen auch plastische 3D- Darstellungen. Monokulare und binokulare Datenbrillen werden jeweils weiterhin unterschieden in die Varianten 24

Gute Arbeit 5 | 2017 Datenbrillen im Einsatz arBeitsschutZ unD arBeitsgestaltung · See-Through · Non-See-Through · und Look-Around-Technologien. Bei See-Through-Technologien werden die Informationen auf einem halbdurchlässigen Spiegel dargestellt, sodass der Nutzer die dahinter liegenden Informationen der realen Umgebung weiterhin wahrnehmen kann. Non-See-Through- und Look-Around- Datenbrillen sind dagegen hinter dem Display geschlossen und bilden somit dort, wo das Display sitzt, eine Sichtbarriere. Allerdings ist es dem Nutzer zumindest bei den Look- Around-Datenbrillen möglich, um das Display herum die reale Welt weiterhin wahrzunehmen. Die verschiedenen Datenbrillentypen finden sich aktuell auch in unterschiedlichen Anwendungsgebieten wieder. Binokulare geschlossene Datenbrillen werden hauptsächlich in der Unterhaltungsindustrie (Virtual Reality, Computer Spiele) eingesetzt. Darüber hinaus finden sich aber auch Anwendungsszenarien, in denen solche Technologien für Arbeitssimulationen und Beschäftigtentrainings genutzt werden. Monokulare Look-Around-Datenbrillen bieten den Vorteil, dass die Nutzer Informationen vor einem dunklen Hintergrund stets klar erkennen und den Informationsabruf im Bedarfsfall (außerhalb der direkten Blickrichtung) aktiv steuern können. Daher finden sich diese Technologien häufig in Anwendungsszenarien, in denen einfache, aufgabenrelevante Informationen benötigt werden oder Informationen nicht kontinuierlich benötigt werden. Beispiele für Einsatzmöglichkeiten sind Logistik- oder Instandhaltungsprozesse, für die es auch schon Datenbrillenanwendungen auf dem Markt gibt. Monokulare, aber insbesondere binokulare See-Through-Datenbrillen werden als potenzielle Technologie für die Umsetzung einer erweiterten Realität, der sogenannten Augmented Reality angesehen. Dabei soll es ermöglicht werden, kontextabhängige Informationen in das Sichtfeld des Nutzers direkt an den betrachteten Objekten der realen Welt einzublenden. Solche Augmented-Reality-Anwendungen sind zum aktuellen Zeitpunkt allerdings eher ein Schwerpunktthema der Forschung, als dass sie bereits in der praktischen Anwendung zu finden sind. Monokulare Datenbrillen als Arbeitsassistenz Das wesentliche Kriterium für den Einsatz von Datenbrillen ist eine hohe Aufgaben-Technologie-Passung, welche im Voraus ausführlich zu analysieren ist. Die Passung beschreibt dabei den Grad der Unterstützung, den eine Person bei der Arbeitsausführung durch die Technologie individuell erfährt. Eine Voraussetzung für eine gute Passung ist dabei insbesondere eine hohe Akzeptanz. Bei unzureichender Analyse und Passung zwischen Aufgabe und Technologie können negative Auswirkungen auf die Arbeitsleistung sowie eine zu hohe Beanspruchung resultieren. In diesem Zusammenhang konnten auf einem Expertenworkshop im Rahmen eines Forschungsprojekts der BAuA Indikatoren für bzw. gegen den Einsatz von Datenbrillen als Arbeitsassistenz ermittelt werden. Es zeigte sich, dass Datenbrillen für Arbeitsaufgaben besonders geeignet scheinen, wenn u. a.: · beide Hände für die Arbeitsaufgabe benötigt werden · Mobilität gefordert ist · die Primäraufgabe durch kurze Sekundäraufgaben unterbrochen wird · sich die Arbeitsaufgabe in Teilaufgaben aufgliedern lässt · das Arbeitsdisplay nicht offen einsehbar sein darf · sich Beschäftigte in der Anlernphase befinden. Ebenso existieren Indikatoren, welche gegen einen Einsatz von monokularen Datenbrillen als Arbeitsassistenz sprechen. Dies ist z. B. der Fall, wenn bei der Arbeitsaufgabe ein volles Sichtfeld notwendig ist, die Arbeitsaufgaben hoch repetitiv sind oder große Textmengen bzw. komplexe Grafiken dargestellt werden müssen. Technikeinsatz: Die Beschäftigten sollten bei der Auswahl von Datenbrillen mitreden können und prüfen, welches System am besten passt. gutearbeit-online.de Mehr über den Einsatz von Datenbrillen in »Gute Arbeit« 2/2016 (27–28): Durchblick mit Datenbrillen. Für die Online-Ausgabe der Zeitschrift registrierte Abonnent(inn)en können alle Ausgaben ab 1/2012 kostenfrei im Archiv nachlesen. 25

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