Aufrufe
vor 8 Monaten

Leseprobe Gute Arbeit 05_2017

  • Text
  • Datenbrillen
  • Arbeit
  • Menschen
  • Informationen
  • Einsatz
  • Arbeitszeiten
  • Arbeitsschutz
  • Arbeitszeit
  • Teilhabe
  • Recht
  • Verlag.de

titelthema arBeitsZeit

titelthema arBeitsZeit Gute Arbeit 5 | 2017 Höchste Zeit für Gesundheit gesunDheitsBerichterstattung Für Arbeitszeiten gilt heute: Je fl exibler, desto besser. Für die Beschäftigten sind das hohe Anforderungen, die verstärkt zu Beschwerden führen. Oft sind es auch Zumutungen. VON JÜRGEN REUSCH 8

Gute Arbeit 5 | 2017 arBeitsZeit titelthema Die Arbeitszeitlandschaft zeigt ein Bild zunehmender Zerklüftung. Nahezu unübersichtliche Vielfalt bestimmt das Bild. Umfassende, aktuelle und solide Daten dazu liefert seit Kurzem die Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, siehe Kasten unten). Im neuen Bericht der Bundesregierung »Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit« (SUGA 2015) werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Befragung zusammengefasst. Sie zeigen: Tariflich geregelte Arbeitszeiten gibt es noch vor allem in den männlich dominierten Industriebereichen, sie sind aber auf dem Rückzug. Und dort, wo sie gelten, werden sie häufig nicht eingehalten. Der expandierende Dienstleistungssektor kommt zunehmend ohne tarifliche Arbeitszeitregelungen aus. In immer mehr Wirtschafssektoren steigen die Anforderungen an extreme zeitliche Verfügbarkeit der Arbeitskraft. Lange Arbeitszeiten, öfter Beschwerden Entsprechend der BAuA-Arbeitszeitbefragung unterscheidet der SUGA 2016 zwischen den (tarif-)vertraglich vereinbarten und den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden. Wie lange wirklich gearbeitet wird, entscheidet maßgeblich darüber, wie hoch die Arbeitsbelastung ist. Vollzeitarbeit (über 35 Wochenstunden) ist eine Männerdomäne. 93% der Männer arbeiten so. Dagegen haben 42% der erwerbstätigen Frauen eine Teilzeitstelle (10 bis 34 Wochenstunden). Bei den Vollzeitbeschäftigten sind (über-) lange Arbeitszeiten Standard, Tarifverträge hin oder her. Sie arbeiten pro Woche durchschnittlich 43,5 Stunden, fünf Stunden mehr als vertraglich vereinbart (38,6 Stunden). Die meisten Männer (54%) kommen auf 40 bis 47 Wochenstunden, weitere 24% sogar auf 48 baua-arbeitszeitbefragung Stunden und mehr, also über die gesetzliche Grenze von 48 Wochenstunden hinaus. Bei den Frauen trifft das nur auf jede zehnte zu. Mit längeren Arbeitszeiten steigt auch der Anteil derjenigen, die von gesundheitlichen Beschwerden berichten – vor allem Rückenschmerzen, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen. Bei Arbeitszeiten zwischen 40 und 47 Stunden betrifft das rund die Hälfte der Beschäftigten. Auch die Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance – ebenfalls ein wichtiges Thema der Befragung – nimmt mit der Länge der Wochenarbeitszeit ab. Zudem lassen Beschäftigte mit langen Arbeitszeiten häufiger Arbeitspausen ausfallen – weil sie befürchten, ihre Arbeit sonst nicht zu schaffen. Die naheliegende Frage nach den Arbeitszeitwünschen zeigt außerdem: Mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten (55%) würde gerne weniger arbeiten, wenn das finanziell machbar wäre. Bei einem Teil der (meist weiblichen) Teilzeitbeschäftigten (35%) überwiegt dagegen der Wunsch nach längerer Arbeitszeit. Anforderung »allzeit bereit« Neben der Dauer ist die Lage der Arbeitszeit, also wann gearbeitet wird, entscheidend für Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten. BAuA-Arbeitszeitbefragung und SUGA 2015 zeigen deutlich: Häufige und regelmäßige Arbeit abends, nachts, am Wochenende und in Schicht ist weit verbreitet. Da die Befragung eine Momentaufnahme ist, kann sie die Entwicklung im Zeitverlauf allerdings nicht abbilden. Das tun aber andere Datenquellen: So etwa der DGB-Index Gute Arbeit oder auch die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zu den Arbeitszeiten in Deutschland 1 : Die so genannten atypischen Arbeitszeiten haben im Vergleich zu 1995 überall zugenommen. So arbeiteten 1995 rund sechs Millionen Beschäftigte regel- Darum geht es 1. Traditionelle Arbeitszeitregelungen sind auf dem Rückzug, alles wird immer flexibler. Extrem lange Arbeitszeiten, Wochenend- und Schichtarbeit nehmen zu. 2. Das belegt der neue »Unfallverhütungsbericht« der Bundesregierung auf solider Datenbasis. 3. Er zeigt auch: Je höher die Arbeitszeitanforderungen, desto stärker die Gesundheitsbeschwerden, desto größer die Unzufriedenheit der Beschäftigten. gutearbeit-online.de Mitbestimmung bei der betrieblichen Arbeitszeit und Belastungsschutz für Beschäftigte: Mehr zum Thema in »Gute Arbeit« 1/2016: »Gesundheitsschutz: Warum Arbeitszeit Grenzen braucht« (S. 8–22). Die 2015 durchgeführte BAuA-Arbeitszeitbefragung ist Teil des langfristigen BAuA-Projekts »Arbeitszeitberichterstattung in Deutschland«. An der Erhebung nahmen 20 000 repräsentativ ausgewählte Erwerbstätige teil. Der BAuA-Arbeitszeitreport liefert die ersten Ergebnisse der Befragung (Oktober 2016). Weitere Publikationen werden noch folgen. Für das BAuA-Projekt wurde nicht nur nach den realen Arbeitszeiten gefragt, sondern auch, ob und wie die Beschäftigten sich davon belastet fühlen. Für die Online- Ausgabe registrierte Abonnent(inn)en der Zeitschrift lesen die Texte im Archiv kostenfrei nach – alle Ausgaben ab 1/2012. 1 Bundestagsdrucksache 18/9499 vom 21.8.2016. 9

Datenbrillen Arbeit Menschen Informationen Einsatz Arbeitszeiten Arbeitsschutz Arbeitszeit Teilhabe Recht www.bund-verlag.de
© 2016 by Yumpu