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Leseprobe Gute Arbeit 02_2017

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arbeitsschutz und arbeitsgestaltung Expositionsdatenbank für Arbeitgeber Gute Arbeit 2 | 2017 Expositionsdatenbank für Arbeitgeber gefahrstoffe Sind Beschäftigte bei der Arbeit gefährlichen Stof en ausgesetzt, gelten nicht nur strenge Schutzvorschriften. Arbeitgeber müssen dies dokumentieren und archivieren. Im Interview erklärt Walter Eichendorf, wie die gesetzliche Unfallversicherung dabei hilft. FRAGEN DER REDAKTION daruM geht es 1. Umgang mit gefährlichen Stoffen – dokumentiert und archiviert: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung stellt seit 2015 eine zentrale, bundesweit zuständige Expositionsdatenbank (ZED) bereit. 2. Das erleichtert Arbeitgeberpflichten nach dem Gefahrstoffrecht: Bei Exposition der Beschäftigten mit Gefahrstoffen bestimmter Kategorien sind die Daten 40 Jahre lang aufzubewahren 3. Beschäftigte können bei der ZED auf ihre Daten zugreifen. Vollständige Dokumentationen können die Anerkennung einer Berufskrankheit erleichtern. Interessenvertretungen sollten die Nutzung der ZED initiieren. Welche Pfl ichten haben Arbeitgeber, die Exposition ihrer Mitarbeiter gegenüber Gefahrstoffen festzuhalten, welche Fristen gelten? Und für welche Stoffe gelten die strengen Vorschriften? Die Gefahrstofverordnung schreibt vor: Beschäftigen Arbeitgeber Personen, die mit krebserzeugenden und keimzell-mutagenen Stofen der Kategorien 1A und 1B arbeiten und die bei die ihren Tätigkeiten gefährdet sind, dann haben sie über diese Beschäftigten ein personenbezogenes Expositionsverzeichnis zu führen. 1 Darin wird erfasst, welche Beschäftigten mit welchen Stofen in welchem zeitlichen Umfang und bei welcher Expositionshöhe Kontakt hatten. Datenimport: Ansicht der ZED-Arbeitsoberfl äche Diese Dokumentationspflicht wird ergänzt durch zwei weitere Verpflichtungen: Zum einen muss das Verzeichnis 40 Jahre nach dem Ende der Exposition aufbewahrt werden. Das ist die Archivierungspflicht. Zum anderen muss den Beschäftigten der Teil der Dokumentation, der sie persönlich betrifft, ausgehändigt werden – die Aushändigungspflicht. Diese Pflichten bestehen bereits seit dem Jahr 2005. Vorher greifen die Arbeitsschutzvorschriften? Ja, in erster Linie muss der Arbeitgeber selbstverständlich dafür sorgen, dass die Beschäftigten durch diese Stofe nicht gefährdet werden. Wenn jedoch eine Gefährdung trotz Schutzmaßnahmen nicht auszuschließen ist, greift die Dokumentationsplicht. Unter die genannten Kategorien fallen eine ganze Reihe von Gefahrstoffen, wie zum Beispiel Asbest, Dieselmotor-Emissionen, Benzol, PAK – das sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Holz- und Quarzstäube, Formaldehyd, Stäube bestimmter Metalle und ihrer Verbindungen wie Cobalt, Nickel, sechswertiges Chrom oder aromatische Amine. Es sind also viele Arbeitsbereiche betroffen. Wenn das zu den Unternehmensaufgaben gehört, warum stellt die DGUV dazu eine Zentrale Expositionsdatenbank – die ZED– zur Verfügung? Wo liegen die Vorteile und woher kam die Initialzündung? Der Verordnungsgeber hat erkannt, dass mit der Archivierungsplicht von über 40 Jahren die Unter- 1 Zum Hintergrund mehr in den »Technischen Regeln für Gefahrstoffe« TRGS 905, 906 und 410 unter www.baua.de. 30

Gute Arbeit 2 | 2017 Expositionsdatenbank für Arbeitgeber arbeitsschutz und arbeitsgestaltung nehmen vor eine Aufgabe gestellt werden, die schwer zu erfüllen ist. Es ist nicht mehr der Regelfall, dass Unternehmen über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten in einer konstanten Form existieren. Es besteht also die große Gefahr, dass Daten verloren gehen. Aus diesem Grund hat der Verordnungsgeber durch eine Ergänzung der Gefahrstoffvorordnung im Jahre 2013 die Möglichkeit geschaffen, dass Arbeitgeber zwei der eben genannten Pflichten, nämlich die Archivierung und die Aushändigung, auf die gesetzlichen Unfallversicherungen übertragen können. Dies ist für alle Unfallversicherungsträger – also Berufsgenossenschaften und Unfallkassen – übergreifend in Form der ZED realisiert worden. Bei Nutzung der ZED stellt die DGUV sicher, und das ist zugleich der Hauptvorteil, dass die Daten über den Zeitraum von 40 Jahren verfügbar bleiben. Das ist vor allem für die Suche nach arbeitsbedingten Ursachen einer Erkrankung relevant, wenn etwa eine Berufskrankheit vorliegen könnte. Was haben Beschäftigte von der ZED? Und können sie kontrollieren, ob wirklich all ihre Daten dort sind? Die Nutzung der ZED anstelle eines unternehmensinternen Expositionsverzeichnisses bietet für alle Beteiligten große Vorteile: Die Arbeitgeber können die ZED ohne Kostenaufwand nutzen. Die Beschäftigten können sicher sein, dass ihre Daten nicht verloren gehen. Und das ist wichtig, denn eine Berufskrankheit kann nur entschädigt werden, wenn der Nachweis geführt werden kann, dass die Erkrankung auf eine berufliche Belastung zurückzuführen ist. Da die Krebserkrankungen, die durch die genannten Gefahrstoffe ausgelöst werden können, in der Regel lange Latenzzeiten aufweisen – bis zum Ausbruch, ist dieser Nachweis oft sehr schwierig, wenn keine Dokumentation vorliegt. Und wie können die Versicherten die Vollständigkeit ihrer Unterlagen überwachen? Beschäftigte haben mehrere Möglichkeiten zu prüfen, ob ihre Daten erfasst sind. Sie können sich von ihrem Arbeitgeber einen Auszug über die sie selbst betrefenden Daten aushändigen lassen. Sie haben aber auch die Möglichkeit, jederzeit und auch wiederholt eine Anfrage an die DGUV zu stellen. Ein entsprechendes Formular steht auf der Homepage der Datenbank bereit. 2 Diese Anfragen werden kostenfrei per Brief beantwortet. Darüber hinaus haben alle Beschäftigten und ihre Vertretungen nach der Gefahrstoffverordnung das Recht, ‚nicht personenbezogene Daten allgemeiner Art‘ einzusehen. Was heißt das? Sie haben beispielsweise ein Recht darauf, zu erfahren, mit welchen Gefahrstoffen im Betrieb umgegangen wird. Es wird aber keine Auskunft darüber erteilt, wer genau mit diesen Stoffen arbeitet. Die DGUV hat übrigens einen Beirat für die ZED eingerichtet, in dem auch die Gewerkschaften vertreten sind. Wie genau können Arbeitgeber auf die ZED zugreifen? Unternehmen, die die ZED nutzen möchten, müssen sich einfach online registrieren. 3 Über eine Testversion kann man den Umgang mit der Datenbank mit iktiven Daten üben, bevor man mit der Dokumentation in der eigentlichen Datenbank beginnt. Es stehen vielfältige Hilfen und auch Ansprechpartner zur Verfügung, die bei allen Fragen rund um die ZED Auskunft geben. Wenn der Arbeitgeber die ZED bisher nicht nutzt: Empfehlen Sie den Betriebsräten, Personalräten oder den Akteuren im Arbeitsschutzausschuss, die ZED ins Spiel zu bringen? Unbedingt. In meinen Augen bietet, wie bereits dargestellt, die Dokumentation in der ZED für die Beschäftigten klare Vorteile gegenüber dem unternehmensinternen Expositionsverzeichnis. Darüber hinaus beginnen Unternehmen erfahrungsgemäß häuig genug auch erst mit dem Führen des Verzeichnisses, wenn sie von der ZED erfahren und sich damit – quasi über einen Umweg – ihren Verplichtungen gemäß Gefahrstofverordnung bewusst werden. Seit wann gibt es die ZED und wie viele Unternehmen sind bisher registriert? Ist das ein Angebot mit Zukunft? Die Datenbank ist seit März 2015 online. Seitdem haben sich mehrere Hundert Unternehmen registriert und mit der Dokumentation begonnen. Aktuell liegen bereits für mehrere Tausend Beschäftigte Expositionsbeschreibungen vor. Und dabei muss man sich vor Augen halten, dass dies erst der Anfang ist. Die Nutzungszahlen werden sich – genauso wie die ZED selbst – kontinuierlich weiterentwickeln. Die ZED ist deinitiv ein Angebot mit Zukunft. Dr. Walter Eichendorf ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem Dachverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. hintergrund Die Zentrale Expositionsdatenbank ZED wird vom Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) bereitgestellt. Für Arbeitgeber gibt es eine Testversion zum Ausprobieren – vor dem endgültigen Datenimport. Beschäftigte können jederzeit anfragen, welche Expositionsdaten über sie vorliegen – und diese auf Vollständigkeit prüfen. Ein Formular für den Antrag steht bereit, mit dem sie kostenfrei einen Auszug ihrer Daten beantragen können: https://zed.dguv.de. 2 Wenn Beschäftigte ihre Daten prüfen und einsehen wollen: Formular ausfüllen unter https://zed.dguv.de. 3 Betriebe/Arbeitgeber registrieren sich auf der ZED-Homepage: https://zed.dguv.de 31

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