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Leseprobe Der Personalrat 7-8_2017

titelthema mobbing

titelthema mobbing Der Personalrat 7-8 | 2017 Was ist Mobbing? aggression Mobbing hat viele Gesichter. Alle sind hässlich und alle bedeuten Psychoterror am Arbeitsplatz. Die Folgen für Betrof ene sind meist sehr dramatisch. VON AXEL ESSER 8

Der Personalrat 7-8 | 2017 mobbing titelthema Eine vage Vorstellung davon, was Mobbing ist, hat inzwischen wohl jeder. Doch wo genau fängt Mobbing an? Beginnen wir ein vertieftes Verständnis von Mobbing mit der folgenden beschreibenden Deinition: Mobbing ist ein Geschehensprozess in der Arbeitswelt, in dem destruktive Handlungen unterschiedlicher Art wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen Einzelne vorgenommen werden, welche von den Betrofenen als eine Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person empfunden werden und dessen ungebremster Verlauf für die Betrofenen grundsätzlich dazu führt, dass ihre psychische Beindlichkeit und ihre Gesundheit zunehmend beeinträchtigt werden, die soziale Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz zunehmen, dagegen die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung schwinden und der regelmäßig im Verlust ihres bisherigen berulichen Wirkbereichs endet. 1 Mobbing hat immer ein Ziel Grundsätzlich ist Mobbing eine besondere Form von zwischenmenschlicher Aggression. Sein wichtigstes Merkmal ist die konsequente, regelmäßige, zielgerichtete destruktive »Behandlung« einer Zielperson über eine lange Zeit. Mobbing kann von einer Person (Mobber) ausgehen, aber auch von einer Gruppe, und kann sogar von der gesamten Organisation getragen werden. Die individuelle Motivation für die Mobber liegt häuig darin, dass die angegrifene Person als Beeinträchtigung eigener Ziele, Ambitionen und Werte wahrgenommen wird. Auch handfeste materielle oder soziale Vorteile können mittels Mobbing verteidigt oder eigene Ängste überspielt werden. Die tatsächlichen Beweggründe werden aber nicht kommuniziert. Somit wird ein ofener fairer Konlikt, der in einem Kompromiss enden könnte, vermieden. Stattdessen wird von den Mobbern alles unternommen, die scheinbare menschliche Schlechtigkeit und beruliche Unfähigkeit der gemobbten Zielperson herauszustellen und damit den betrieblichen »Beweis« zu erbringen, dass die Entfernung des Gemobbten die einzig mögliche Lösung des Problems sei. Mobbing ist sozusagen gelebte Antipathie, sie läuft auf die komplette menschliche Isolierung und beruliche Ausschaltung der Zielperson hinaus. Mobbingbetrofene können oft gar nicht nachvollziehen, warum sie zur Zielscheibe geworden sind. Häuig versuchen sie, durch Stillhalten, Nachgeben oder auch durch Ansprache des Themas zu einer Lösung zu kommen. Die Mobberseite ist jedoch nicht an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Weil die Betrofenen aber aus nachvollziehbaren Gründen an ihrem Arbeitsplatz hängen, Mobbing somit nicht über Nacht die gewünschte Beseitigung der Zielperson erbringt, dauern Mobbingfälle oft über Monate und Jahre. Der gemeinsame Zweck der oft sehr unterschiedlichen Mobbinghandlungen besteht darin, ein maximales Unbehagen beim Betrofenen zu erzeugen. Dies soll ihn schließlich veranlassen, das Feld »freiwillig« zu räumen. Mobber mobben nicht! In einem Mobbingfall kommen unterschiedlichste Verhaltensweisen zur Anwendung, wie etwa Werkzeuge verstecken, Informationen gezielt vorenthalten, hinter dem Rücken reden, nicht grüßen, E-Mails ignorieren, Wortmeldungen des Betrofenen in einem Meeting gezielt übersehen. In der deutschen Sprache gibt es aber keine Einzel-Aktivität, die sinnvoll mit dem Verb »mobben« ausgedrückt werden kann. Jemanden nicht zu grüßen ist nicht automatisch »mobben«, weil es andere Gründe dafür geben könnte, beispielsweise Unaufmerksamkeit. Insofern haben Mobber die Sprache (scheinbar) auf ihrer Seite, wenn sie behaupten: »Ich habe nie gemobbt!« Abgesehen davon geben Mobber aber sowieso nie zu, dass sie Mobbing betreiben oder betrieben haben. Das Problem sei vielmehr die überblick Faktoren der Unerträglichkeit 1. Die zunehmende Dauer des Mobbings. 2. Das erlebte Übergewicht der Mobberseite, zum Beispiel Viele gegen Einen, Vorgesetzter gegen Untergebenen. 3. Die Aussichtslosigkeit, den Konlikt fair klären zu können. 4. Die »Trefgenauigkeit« der Mobbingattacken, das heißt ihre demoralisierende und sozial isolierende Wirkung. darum geht es 1. Mobbing ist ein zielgerichtetes Handeln, um eine bestimmte Person am Arbeitsplatz zu verletzen, zu isolieren und auszugrenzen. 2. Insofern ist Mobbing nicht zu verwechseln mit dem – möglicherweise scharfen – Austragen von Konlikten. 3. Für Betrofene bedeutet Mobbing großes Leid und führt nicht selten zu Krankheit und Arbeitsplatzverlust. 1 Esser/Wolmerath, Mobbing und psychische Gewalt, 9. Aufl., S. 27. 9

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