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Leseprobe Der Personalrat 6_2016

titelthema gewählt –

titelthema gewählt – was nun? Der Personalrat 6 | 2016 »Freundlich, aber hart in der Sache« interview Die Neuwahl des Personalrats ist immer auch ein Neustart. Wolfgang Däubler erläutert, wie dieser erfolgreich gelingen kann und worauf es ankommt. FRAGEN DER REDAKTION Prof. Dr. Wolfgang Däubler ist Professor für Deutsches und Europäisches Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht an der Universität Bremen. Herr Prof. Däubler, wie wichtig sind Personalräte? Personalräte sind die zentrale Instanz der Interessenvertretung in der Dienststelle. Gibt es Probleme am Arbeitsplatz, mit dem Vorgesetzten oder mit der Personalabteilung, dann wenden sich Beschäftigte an den Personalrat. Wenn er sich ein Anliegen zueigen macht, lässt sich möglicherweise etwas erreichen. Als Einzelne oder Einzelner steht man meist auf verlorenem Posten. Der Personalrat hat Mitbestimmungsrechte. Ohne seine Zustimmung kann die Leitung auf vielen Sachgebieten nichts entscheiden. Sie braucht vom Gesetz her den Personalrat als Kooperationspartner. Übergeht sie ihn, kann sie in Teufels Küche geraten. Erinnert sei etwa an die Auseinandersetzungen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Also wird ein kluger Dienststellenleiter bemüht sein, in ein vernünftiges Verhältnis mit »seinem« Personalrat zu kommen. Die Personalvertretung ist genau wie die Betriebsverfassung ein Stück konkreter Demokratie. Sie wird unmittelbar im Alltag erfahren. Deshalb ist sie vielen Beschäftigten auch wichtiger als das, was in der »großen Politik« passiert. Nicht von ungefähr liegt die Wahlbeteiligung oft deutlich höher als bei den meisten Landtagswahlen. Welche besonderen Eigenschaften sollten Personalratsmitglieder haben? Es gibt nicht »das« ideale Personalratsmitglied. Jeder hat seinen eigenen persönlichen Stil samt Ecken und Kanten. Wichtig ist Ehrlichkeit. Man muss sich so verhalten, wie man es vor der Wahl versprochen hat. Nur dann ist man glaubwürdig und kann bei Auseinandersetzungen mit der Unterstützung der Beschäftigten rechnen. Bei Verhandlungen sollte man in der Form freundlich und konziliant sein, aber in der Sache hart bleiben. Wichtig ist auch, dass sich Personalratsmitglieder in die Position der Gegenseite hineinversetzen können. Andernfalls sind Missverständnisse und vermeidbare Konlikte programmiert. Und Personalräte dürfen sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Sonst werden sie nicht mehr ernst genommen und stoßen überall auf Widerstand. Was raten Sie Personalräten? Erst mal ein Seminar zum Thema besuchen, wie man die Personalratsarbeit am besten organisiert. Wird man als Einzelner neu gewählt, muss man sehen, ob man im Gremium bestimmte Aufgaben übernehmen kann. Hat die Mehrheit gewechselt, wird erst mal eine Bestandsaufnahme angesagt sein, um zu sehen, was alles liegen geblieben ist. Aber dann darf der Personalrat nicht gleich alles auf einmal anpacken, sondern muss eine Prioritätenliste erstellen. An der Spitze sollte das stehen, wo den meisten Kolleginnen und Kollegen der Schuh drückt. Dies können Arbeitszeitfragen sein, genauso wie eine immer wieder verschleppte Gefährdungsbeurteilung oder die Datenerfassung beim Gang ins Internet. Sind mehrere Fragen gleich wichtig, sollte man sich zunächst um die kümmern, bei der der Personalrat die besseren Karten hat – juristisch wie im Hinblick auf die Stimmung bei den Beschäftigten. Es ist gut, wenn die neue Wahlperiode mit einem Erfolg beginnt. v 32

Der Personalrat 6 | 2016 gewählt – was nun? titelthema Starten statt warten schulungsanspruch Kenntnisse im Personalvertretungsrecht sind unverzichtbar. Personalratsmitglieder sollten gleich nach ihrer Wahl ihre Schulungsteilnahme planen. Dabei müssen sie einiges beachten. VON GERHARD NOLL Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Befristete Arbeitsverhältnisse nehmen zu und grundlegende Umstrukturierungen machen auch vor dem öfentlichen Dienst längst nicht mehr Halt. Auch der technische Fortschritt und die Globalisierung, das Internet und der demograische Wandel verändern die Arbeitswelt und stellen neue Anforderungen an die Arbeit des Personalrats. Personalratsmitglieder werden bei ihrer Arbeit mit Wünschen, Erwartungen und Forderungen verschiedenster Interessen konfrontiert. Es wird erwartet, dass sie all diesen Ansprüchen gerecht werden und Lösungen inden, die den Erwartungen des Einzelnen ebenso entsprechen wie den Zielen, Vorgaben und Anforderungen der Dienststelle. Um für die Arbeitswelt von morgen gewappnet zu sein, braucht jedes Mitglied des Personalrats zumindest Grundkenntnisse im Personalvertretungsrecht. Selbststudium reicht nicht aus Der Besuch von externen Seminaren bietet jedem Personalratsmitglied neben der Wissensvermittlung einen wichtigen Blick über »den Tellerrand« der Dienststelle hinaus. Durch den Kontakt zu Personalvertretungen anderer Dienststellen und durch den Input externer Referentinnen und Referenten können neue Impulse für die eigene Arbeit aufgenommen und Gelerntes relektiert werden. Moderne Lernmethoden fördern nicht nur das Interesse an dem zu vermittelnden Stof, sondern sichern auch einen größeren Lernerfolg. darum geht es 1. Personalratsmitglieder haben einen Anspruch darauf, sich schulen zu lassen. 2. Besonders wichtig sind dabei Grundschulungen im Personalvertretungsrecht. 3. An Spezialschulungen kann das Personalratsmitglied teilnehmen, wenn es im Gremium besondere Aufgaben übernommen hat. Die Themen müssen zudem aktuell sein. In Seminaren lernen Personal ratsmitglieder die Grundlagen für ihre Arbeit. 33

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