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Leseprobe AiB 5_2016

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grundlagen der betriebsratsarbeit Netzwerke: face to face statt Facebook AiB 5 | 2016 Netzwerke: face to face statt Facebook vernetzen Seit 20 Jahren arbeiten in Baden-Württemberg Betriebsräte in gewerkschaftlichen Netzwerken für mehr Beteiligung zusammen. Welche Erfahrungen wurden gemacht? VON BETTINA SEIBOLD UND WALTER MUGLER darum geht es 1. Durch Netzwerke unterstützen sich Betriebsratsmitglieder gegenseitig, relektieren ihr eigenes Handeln intensiv und erweitern ihre betriebliche Handlungsfähigkeit. 2. Die wachsenden Beziehungen zwischen den beteiligten Betriebsratsmitgliedern – face to face – sind Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. 3. In Betriebsrätenetzwerken erweitern alle Beteiligten – Betriebsrats ­ mitglieder, Moderatoren, Gewerkschaftssekretäre, externe Sach verständige – ihr Wissen und erhalten Impulse für ihre Arbeit. Die Zusammenarbeit in gewerkschaftlichen Netzwerken wird seit Jahren für Betriebsräte angeboten, um die eigene Position zu stärken und neue Ideen zu entwickeln. Das Konzept wurde in den Gewerkschaften beworben und ist auch Teil der Trainee-Ausbildung der IG Metall. Netzwerke können sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Viele denken zuerst an technische Netzwerke oder Social Media, über die Informationen ausgetauscht werden. Auch Arbeitskreise, in denen sich Betriebsräte regelmäßig trefen, werden häuig als Netzwerke bezeichnet. Welche Erfahrungen haben die Betriebsräte mit den Betriebsratsnetzwerken der IG Metall in Baden-Württemberg gemacht, die gemeinsam mit dem IMU Institut durchgeführt werden? Betriebsrätenetzwerke der IG Metall Kern der aktuell laufenden Betriebsratsnetzwerke in Baden-Württemberg sind zwei- oder dreitägige Netzwerkseminare, die einzelne Themenbereiche im Rahmen eines Gesamtkonzeptes bearbeiten. Beispielsweise arbeiten derzeit vier Netzwerke parallel zu folgenden Themen: Die Gestaltung von »Fließmontage bei langen Taktzeiten im Maschinen- und Anlagenbau«, »Arbeitsgestaltung in kurz getakteten Montagesystemen«, »Lean-Systeme im Büro menschengerecht gestalten« sowie »Innovationsförderliche Arbeitsbedingungen von EntwicklerInnen«. In den Seminaren werden fachliche Inputs mit intensivem Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Betriebsräte und Umsetzungsschritten im Betrieb kombiniert. Die Seminarthemen und Arbeitsformen werden jeweils mit den Teilnehmenden und – falls vorhanden – dem Kernteam abgesprochen. Je nach Bedarf werden maßgeschneiderte (Zusatz-) Angebote ausgearbeitet. Beispielsweise wurde für die Teilnehmenden mehrerer Netzwerke ein gemeinsamer Schulungstag zu den tarifvernetzwerk­treffen Wissensvermittlung und Erfahrungstausch z. B. Checklisten zur Bestands aufnahme Umsetzungsstand Lean Oice z. B. Gestaltungskonzepte für Arbeitsplätze Qualiikationsbedarf von Beschäftigtengruppen … Betriebliche Arbeit mit BR-Zielen, BR-Strategie und Arbeitshilfen 50

AiB 5 | 2016 Netzwerke: face to face statt Facebook grundlagen der betriebsratsarbeit traglichen Grundlagen zur Arbeitsgestaltung durchgeführt oder im Rahmen einer gemeinsamen Netzwerkkonferenz über die Arbeit der Netzwerke relektiert. Bei der Durchführung der Seminare werden beteiligungsorientierte Arbeitsformen eingesetzt. Fachliche Inputs wechseln mit Diskussionen und Arbeitsgruppenphasen ab, oder kollegiale Fallberatung wird genutzt, um konkrete betriebliche Probleme aufzuarbeiten. Die Diskussionsund Arbeitsergebnisse aus den Trefen werden so dokumentiert und aufbereitet, dass sie in den teilnehmenden Betrieben und für Betriebsräte aus anderen Unternehmen als Arbeitsmaterial verwendbar sind. Das so erarbeitete Wissen soll in konkreten betrieblichen Projekten umgesetzt und – im Idealfall – im nächsten Netzwerkseminar gemeinsam ausgewertet werden. Blick über den Tellerrand Die Beteiligten erleben die überbetriebliche Zusammenarbeit als zusätzliche Ressource für ihre Betriebsratsarbeit, die sie bei der längerfristigen Umsetzung eigener betrieblicher Projekte unterstützt. Damit wird das gemeinsame Arbeiten im Seminar zum Rahmen und zur Unterstützung für eine aktive Betriebspolitik. Durch die hauptamtliche und professionelle Unterstützung bei der (Selbst-)Organisation durch IG Metall und Kooperationspartnerin IMU Institut, wird die kontinuierliche Arbeit erleichtert und langfristig Unterstützung und Motivation angeboten. Auch die teilnehmenden Gewerkschaftssekretäre, Moderatoren und punktuell beteiligte externe Referenten proitieren durch die vielfältigen Perspektiven, die intensive Relexion und den Blick über den Tellerrand. Erfahrungen … Die teilnehmenden Betriebsräte arbeiten mit hoher Verbindlichkeit und Kontinuität in den Netzwerken mit. Als beste arbeitsfähige Gruppengröße hat sich die Zahl von 15 – 25 Personen erwiesen. Zwischen den Teilnehmenden der Netzwerke hat sich eine enge Vertrauensbeziehung entwickelt, die eine ofene, auch selbstkritische Debatte ermöglicht – auch bei Betriebsräten aus Firmen, die im Wettbewerb stehen. Trotz sehr unterschiedlicher betrieblicher Ausgangslagen und Rahmenbedingungen ziehen in der Regel alle Teilnehmenden einen Nutzen aus den Diskussionen. In einer Evaluationsrunde bewerteten die Teilnehmenden die fachlichen Inputs, den strukturierten Erfahrungsaustausch und die Netzwerkkonzeption als sehr positiv. Auch die kollegiale Beratung wird als sehr hilfreich empfunden. Neben der reinen Wissensvermittlung stieg das Problembewusstsein zu den arbeitspolitischen Gestaltungsaufgaben deutlich, und vielfältige Einlussmöglichkeiten wurden erarbeitet, um die Arbeitsbedingungen konkret zu verbessern. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurden in einigen Betrieben kleinere arbeitspolitische Initiativen gestartet. Trotz hohem Engagement haben es Betriebsratsmitglieder bei der praktischen Umsetzung im Betrieb teilweise schwer. Sie begegnen knappen Ressourcen, anderen kurzfristig dringlicheren Themen und betrieblichen Widerständen. Die Betriebsräte sollten deshalb bei ihren betrieblichen Aktivitäten durch Coaching unterstützt werden. Im Rahmen der Netzwerkseminare können den Teilnehmenden Hilfsangebote vorgestellt und erarbeitet werden, die Betriebsräten eine situative Antwort auf betriebliche Probleme ermöglichen. Dieser Ansatz enttäuscht jedoch teilweise die Erwartungen von Betriebsräten und ihrem Wunsch nach einfachem Material (beispielsweise Fragebögen, Checklisten, Musterbetriebsvereinbarungen) und klaren ablauf Feste Bestandteile der Netzwerk-Trefen · Zeit für einen systematischen und dokumentierten Erfahrungsaustausch, in dem betriebliche Erfahrungen und Ergebnisse vorgestellt werden. · Gute Dokumentationen der Arbeitsergebnisse als Arbeitshilfen bei der betrieblichen Umsetzung. · Formulierung betrieblicher Schritte, die (bis zum nächsten Netzwerktrefen) in den Betrieben umgesetzt werden können. · Regelmäßige Beteiligung externer Personen zur Wissensvermittlung (IG Metall, Fachleute aus Wissenschaft und Unternehmen). · Betriebsbesichtigungen. · Zeit für Diskussionen zur Verbindung betrieblicher Erfahrungen/Betriebspolitik mit der überbetrieblichen Gewerkschaftsarbeit/Tarifpolitik. gut zu wissen Betriebsratsmitglieder sollten bei Netzwerken darauf achten, dass · ihre Erwartungen und ihre betrieblichen Themen aufgegrifen werden, · sie »Geben« müssen, um »Nehmen« zu können, · am Ende der Trefen ein ofenes Feedback stattindet, · Theorie­Beiträge mit ihrem Erfahrungswissen verknüpft werden, · persönliche Begegnungen im Vordergrund stehen und technische Medien nur zur Unterstützung eingesetzt werden (Technik kann die soziale Basis nicht ersetzen) und · die gesteckten Ziele nicht zu hoch angesetzt werden. 51

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